Wann ist man tatsächlich übergewichtig?

Wann ist man Übergewichtig
 

Wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass Übergewicht ein Hauptrisikofaktor für eine Reihe von chronischen Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkverschleiß sowie einige Krebsarten isti . Aus diesem Grund ist es sehr wichtig zu erfahren, ob Fettpölsterchen am Körper ein rein kosmetisches Problem darstellen, oder ob es sich laut medizinischer Definition tatsächlich um „Übergewicht“ handelt, das gesundheitliche Folgen haben kann, und daher behandelt werden sollte.

In diesem Artikel wird erklärt, wie man ermitteln kann, ob man tatsächlich übergewichtig ist und gesundheitliche Bedenken begründet sind.

Wie errechnet sich Übergewicht?

Zur Errechnung des Übergewichts und zur Einschätzung der damit verbundenen Gesundheitsrisiken gibt es verschiedene Methoden.
Zu den aussagekräftigsten und bekanntesten zählen:

  • der Body-Mass-Index (BMI)
  • die Waist-to-height Ratio (WHtR)
  • die Bestimmung des Körperfettanteils

Der Body-Mass-Index (BMI)

Der Body-Mass-Index, welcher sich aus Körpergewicht und Körpergröße errechnet, ist die weltweit gängigste Methode zur Definition und Berechnung des Übergewichts.

Der BMI errechnet sich nach folgender Formel:

Laut Klassifizierung der Weltgesundheitsorganisation WHOii sind Erwachsene mit einem BMI zwischen 18,5 und 24,9 normalgewichtig. Übergewicht diagnostiziert die WHO ab einem BMI von 25. Ab einem Wert von 30 spricht sie von Adipositas (Fettleibigkeit). Menschen mit einem BMI unter 18,5 werden hingegen als untergewichtig klassifiziert.

Mithilfe des BMI-Rechners kann eine Bestimmung des BMI erfolgen:

© 2015 - bmi-online.info

 

BMI-Tabelle nach WHO:iii

Kategorie BMI
Untergewicht weniger als 18,5
Normalgewicht 18,5 bis 24,9
Übergewicht 25 bis 29,9
Adipositas Grad I 30 bis 34,9
Adipositas Grad II 35 bis 39,9
Adipositas Grad III 40 oder mehr

Achtung: Der Body-Mass-Index ist nicht für Schwangere, kranke und alte Menschen, Kinder und Jugendliche im Wachstum und Menschen nach Amputationen geeignet. Für Hochleistungssportler und Bodybuilder mit extrem hoher Muskelmasse kann der BMI nur eingeschränkt genutzt werden.

Die Waist-to-height Ratio (WHtR)

Der BMI erhielt in den letzten Jahren ernstzunehmende Konkurrenz durch die Waist-to-height Ratio (WHtR), das Verhältnis von Taille zur Körpergröße. Neuere Studien untersuchten nicht durch das Ausmaß des Übergewichts, sondern auch die Verteilung des Fetts am Körper. Hierbei kamen die Forscher zu sehr interessanten Ergebnissen.

Grundsätzlich unterscheidet man Fettgewebe, welches sich vor allem am Bauch oder im Brustbereich befindet (der sogenannte „Rettungsring“) sowie Übergewicht, welches sich vor allem hüftbetont an Gesäß und Oberschenkel verteilt. Ein bildlicher Vergleich lässt sich mit einem Apfel (bauchbetonte Fettansammlung) und einer Birne (hüftbetonte Fettverteilung) machen.

Die Studie ergab, dass Fettansammlungen an Bauch und Brust eine weitaus größere Gefahr für die Gesundheit darstellen, als hüftbetontes Übergewicht iv. Das heißt, das Risiko an Herzerkrankungen v, Bluthochdruck, bestimmten Tumorerkrankungen (u.a. Prostata, Brustkrebs) oder Fettstoffwechselstörungen zu erkranken, ist bei Menschen mit Fettansammlungen des „Apfel-Typs“ erhöht.

 

Die WHtR errechnet sich nach folgender Formel:

Je größer die WHtR ausfällt, desto höher ist das Risiko für Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Werte von unter 0,5 gelten als bedenkenlos, d.h. der Taillenumfang sollte stets weniger als die halbe Körperlänge betragenvi.

Die WHtR sollte nicht mit der Waist-to-hip Ratio (WHR, oder auch Taille-Hüft-Verhältnis) verwechselt werden, die ursprünglich als körperästhetisches Maß eingeführt wurde, und ebenfalls eine Einschätzung zur Verteilung des Körperfetts erlaubt.

 

Bestimmung des Körperfettanteils

Übergewicht messen

In Hinblick auf mögliche Gesundheitsrisiken spielt neben BMI und WHtR vor allem die Zusammensetzung des Körpergewichts eine wichtige Rolle. Der Körperfettanteil macht Angaben über den Anteil des Körperfetts im Verhältnis zur Gesamtmasse des Körpers.

Körperfett ist ein lebensnotwendig, da es wichtige Aufgaben im Körper erfüllt. Ist der Körperfettanteil des gesamten Körpergewichts jedoch zu hoch, ist das Risiko für bestimmte Krankheiten (u.a. Herzkreislauferkrankungen) erhöht vii. Da Muskeln schwerer sind als Fett, bringen viele Sportler und Bodybuilder zwar ein hohes Gewicht auf die Waage bzw. errechnen sich einen hohen BMI, jedoch birgt Muskelmasse im Vergleich zu übermäßigen Fetteinlagerungen kein Gesundheitsrisiko in sich.

Der Körperfettanteil kann mit unterschiedlichen Verfahren gemessen werden. Spezielle Körperfettwaagen ermitteln mit Elektroden den Anteil des Fettes im Körper. Eine weitaus genauere Messung kann bei einem Arzt erfolgen, welcher mit Hilfe der Hautfaltenmessung (Calipometrie) den Körperfettanteil mechanisch bestimmen kann.
Als komplizierte und teure, aber unübertroffene Referenzmethoden gelten Volumenmessverfahren und die DEXA-Messung (Dual-Röntgen-Absorptiometrie).

Die Tabelle der Organisation American Council on Exercise zeigt die durchschnittlichen Werte für verschiedene Gruppenviii.

Beschreibung Frauen Männer
Lebensnotwendiger Fettanteil 10–13% 2–5%
Hochleistungsathleten 14–20% 6–13%
Sportler 21–24% 14–17%
Normal 25–31% 18–24%
Übergewichtig Über 32% Über 25%

Demnach sollten Frauen einen Körperfettanteil von unter 32% und Männer einen Prozentsatz von unter 25% anstreben.

Fazit:

Die Berechnung des BMI bietet eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit, Übergewicht zu diagnostizieren, jedoch sollte stets auch die Verteilung des Körperfetts sowie dessen Anteil im Verhältnis zum Gesamtgewicht berücksichtigt werden, um die Gefahr für gesundheitliche Risiken bewerten zu können. Wer einen der oben genannten Grenzwerte überschritten hat, sollte sich zeitnah von einem Arzt untersuchen und beraten lassen. Manchmal ist Übergewicht auch auf Krankheiten zurückzuführen, die nicht (nur) mit Diät und Sportprogrammen kuriert werden können, sondern zusätzliche Behandlungen erfordern.

 

Einzelnachweis

i http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25467404
ii http://www.who.int/topics/obesity/en/
iii http://www.euro.who.int/en/health-topics/disease-prevention/nutrition/a-healthy-lifestyle/body-mass-index-bmi
iv http://www.euro.who.int/en/health-topics/disease-prevention/nutrition/a-healthy-lifestyle/body-mass-index-bmi
v http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22106927
vi http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16236591
vii http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3854278/
viii American Council on Exercise (2003) ACE Personal Trainer Manual, 3rd Ed., Ch. 6, Pg. 188, Table 6.14, General Body Fat Percentage Categories